100 jahre bauhaus die frauen am bauhaus


Doris Schäfer-Noske: Vor Jahren, also , hat Walter Gropius in Weimar die Kunstschule "Staatliches Bauhaus" gegründet. Er wollte nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs einen neuen Menschen prägen — und zwar durch eine neue Gestaltung alltäglicher Dinge. Unter politischem Druck zog die Schule nach Dessau und nach Berlin, wo sie dann ein knappes Jahr später von den Nationalsozialisten geschlossen wurde. Doch obwohl das Bauhaus gerade mal 14 Jahre existiert hat, hat es mit seinen avantgardistischen Konzepten die Moderne weltweit geprägt. Der Geburtstag der Kunstschule wird dieses Jahr mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert. Und in unserer Sendereihe zum Jubiläum geht es heute um die Rolle der Frauen. Die Gründung des Bauhauses fiel mit dem Beginn der Weimarer Republik zusammen und mit der Einführung des Frauenwahlrechts. Frage an die Architekturprofessorin Jana Revedin: Waren denn die Bauhäusler auch Vorreiter in Sachen Frauen-Emanzipation? Jana Revedin: Zumindest hat man die Frauen endlich mal in dieses klassische Männerstudium zugelassen. 100 jahre bauhaus die frauen am bauhaus

100 Jahre Bauhaus: Die Rolle der Frauen

Und es war wirklich ein wundersamer Zufall, dass sich während der Ausstellungsvorbereitung eine australische Verwandte von Sofie Korner gemeldet hat, die gleichzeitig aber auch noch weitere Familienmitglieder aktivieren konnte, in der Schweiz und in den USA. Und dort haben sich dann tatsächlich auf dem Dachboden, in der Garage, in Kisten im Keller über 50 Werke von Sofie Korner aufgefunden. Sofie Korner hatte sogar schon vor ihrem viersemestrigen Studium am Weimarer Bauhaus ein Werk vorzuweisen. In einer Bauhaus-Ausstellung in Kalkutta hingen ihre Bilder neben den Werken von Kandinsky, Feininger und Itten, aber nur ein Aquarell von ihr wurde verkauft. Für die Ausstellung im Weimarer Bauhausmuseum kam die Entdeckung Korners zu spät, nicht aber für den sehr informativen, phantastisch gegliederten und ansprechend gestalteten Katalog. Sofie Korner wurde — wie auch acht andere von den 39 recherchierten Bauhaus-Frauen — von den Nationalsozialisten ermordet, weil sie Jüdin war. Andere starben im Bombenkrieg, durch stalinistische Säuberungen oder eines natürlichen Todes.

Frauen am Bauhaus: Innovation und Gestaltung Dieser herablassende Blick auf die Frau als minderwertiges künstlerisches Wesen am Bauhaus spiegelt sich auch in der von Johannes Itten überlieferten Bemerkung, dass Frauen nur "zweidimensional sehen" könnten und daher besser "in der Fläche arbeiten" sollten. Itten leitete den sogenannten Vorkurs, eine Art Eignungslehre, am Bauhaus, den alle Studierenden durchlaufen mussten.
Bauhaus-Frauen: Pionierinnen der Moderne Zum Inhalt springen. Im ersten Semester gab es mehr weibliche als männliche BewerberInnen.
Die vergessenen Künstlerinnen am BauhausDie Sendung liefert täglich einen aktuellen Überblick über Kulturereignisse des Tages. Mehr anzeigen.

Frauen am Bauhaus: Innovation und Gestaltung

Zum Inhalt springen. Im ersten Semester gab es mehr weibliche als männliche BewerberInnen. Die neue Kunst schwor dem Dekorativen ab und wollte der Realität "auf den Grund gehen". Die jungen Wilden rüttelten an Prüderie, Konventionen, Bürokratie und Klassenschranken des Kaiserreiches. Die Krawatten wurden aufgeknotet, die Korsette aufgehakt und abgeworfen, und bei Sonnenaufgang wurde in kosmosnahen gymnastischen Übungen jauchzend, besinnlich und sinnlich der Körper neu entdeckt: nackt im Park. Alte und neue Künste von Malerei über Musik bis zu Fotografie oder Ausdruckstanz gingen ungewöhnliche Allianzen ein. Zur neuen Zeit gehörte ein neues Zeitgefühl. Maschinen, Automobile, Eisenbahnen steigerten das Lebenstempo in den Metropolen, in Film und Literatur wurden Zeitlupe und Zeitraffer, Verlangsamung und Gleichzeitigkeit zu Gestaltungsmitteln. Frauen entdeckten die Lust an Selbstdarstellung und Selbstinszenierung. Frauen aus der Druckerei und Töpferei besser fernhalten? Im Jahrhundert hatten Frauen in Deutschland bis auf wenige Ausnahmen zu Kunstakademien keinen Zugang; sie konnten lediglich Privatunterricht nehmen und mussten für den Unterricht durchweg mehr Geld bezahlen als Männer.

Bauhaus-Frauen: Pionierinnen der Moderne

Im Sommersemester schrieben sich vierundachtzig weibliche und neunundsiebzig männliche Studierende am Bauhaus in Weimar ein. Die Kölner Ausstellung "2 von 14" im Museum für Angewandte Kunst beleuchtet nun exemplarisch den Werdegang zweier Kölnerinnen. Wahrscheinlich mussten die Eltern von Margarete Heymann für die damals Jährige eine Einverständniserklärung unterzeichnen, als sie sich in Weimar einschrieb. Während des obligatorischen Vorkurses bei Johannes Itten absolvierte die Kölnerin ein halbes Jahr in der Keramikwerkstatt. Zur Probe. Der Meister der Keramikwerkstatt, Gerhard Marcks, sowie sein Werkmeister Max Krehan müssen der ehrgeizigen und talentierten Frau dort das Leben schwer gemacht haben — allein aus dem Grund, dass sie eine Frau war. Die Keramikwerkstatt in Dornburg war ein reiner Männerclub und damit das so bleiben konnte, wurde Margarete Heymann nach ihrer Probezeit bescheinigt, sie sei zwar "künstlerisch begabt, aber nicht für die Werkstatt geeignet". Heute würde man so etwas als "Mobbing" bezeichnen, sagt Kuratorin Romana Rebbelmund.